Textatelier
BLOG vom: 08.03.2011

Das Albisriederdörfli ist mehr als nur eine VBZ-Busstation

Autorin: Rita Lorenzetti, Zürich-Altstetten
 
Es dauerte 3 Jahre, bis wir den Dorfkern von Albisrieden entdeckten. Die Buslinie 67, die wir öfters benützen, führt von der Schmiede Wiedikon nach dem Dunkelhölzli. Eine ihrer Stationen heisst Albisriederdörfli und erinnert daran, dass dieses Quartier einst ein eigenständiges Dorf war. Seit 1934 gehört es zur Stadt Zürich. Im Internet sind Fotos und entsprechende Informationen zu Zürich-Albisrieden abrufbar.
 
Am frühen Sonntagabend unterbrachen wir endlich einmal unsere Heimfahrt. Primo, der Tage zuvor hier durchgekommen war, wollte mir dieses Dörfli mit seinen prächtigen Riegelhäusern zeigen. Zum idealen Zeitpunkt, wie sich herausstellte. Die Sonne war schon untergegangen. In den Häusern brannte Licht. Vorhänge waren noch nicht zugezogen. Wir gingen durch diesen Ort und gleichzeitig durch eine Bilderbuchwelt. Anders gesagt: durch eine längst vergangene Zeit. Obwohl wir uns draussen aufhielten, konnten wir die Gemütlichkeit in den Räumen erahnen. Das milde Licht strahlte aus, ohne alles auszuleuchten. Und die kleinen Fenster sind so hoch angeordnet, dass der Blick von uns Fussgängern die private Sphäre nicht erreichen kann. Dieses Eintauchen in den bis dahin unbekannten Ort werde ich nicht so schnell vergessen.
 
Auch darum, weil zu Hause noch eine Überraschung auf uns wartete. Wir fanden unsere Wohnung erleuchtet vor. Das Licht brannte im Korridor und verteilte sich auch in die angrenzenden Räume. Es wirkte genau so gemütlich wie das in Albisrieden geschaute. Ich erkannte von weitem Menas Scherenschnitt an einem der Fenster. Er bestätigte, dass es wirklich unsere Wohnung sei. Ich hatte beim Weggehen vergessen, das Licht zu löschen.
 
An diesem Abend wurde mir wieder einmal bewusst, was die sogenannten 4 Wände für uns Menschen sind. Unser uhause, unsere Kultur. Der Ort, wo wir Lichter anzünden und die Dunkelheit draussen lassen. Wo wir geborgen sind. Also geschützt, obwohl verletzbar, uns sicher fühlend. Der Ort, wo wir uns hinlegen, uns vergessen, um schlafen zu können.
 
Etwas später spazierte ich bei Tag nochmals durch dieses alte Albisrieden. Da waren dann auch Bausünden rund um den historischen Kern zu erkennen. Und Zwänge der Verkehrsführung, die mitbeteiligt sind.
 
Und wieder sprachen mich die alten Häuser und die sich in Renovation befindende Kirche von 1818 an. Diesmal nüchterner, doch immer noch von Reichtum und Schönheit erzählend. Auch davon, wie früher Heimat verstanden worden ist.
 
Hinweis auf ein weiteres Blog zu Albisrieden von Rita Lorenzetti
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